Berlin, im April 2010
Es gibt Dinge, die kann man nur zu zweit tun. Und solche, bei denen erst eins zum anderen kommen muss, damit die Sache als Ganzes Sinn ergibt. "PAARWEISE" heisst das Thema, zu dem die Berliner Schmuckgalerie Michaela Binder andere Schmuckdesigner und Gestalter eingeladen hat, sich Gedanken zu machen. Die Resonanz war überwältigend und herausgekommen sind wunderschöne Schmuckstücke: Ketten, die einander anziehen, so dass man sie einzeln oder eben paarweise tragen kann, Kokonschmuck, bei dem Seidenraupenkokons und Bergkristalle eine ungewöhnliche Verbindung eingehen. Aber auch Eheringe, die man aus einem Stück herausbricht oder aneinander legen muss, um das Symbol der Liebe sehen zu können. Bestaunen kann man alle Ergebnisse dieses Gedankenspiels auf der Ausstellung "PAARWEISE", die vom Freitag, 7. Mai 2010 (19 Uhr Ausstellungseröffnung) bis zum Samstag, 3. Juli 2010 in der Schmuckgalerie von Michaela Binder (Gipsstrasse 13 in Berlin-Mitte) stattfindet.

Außergewöhnliche Vielfalt

Michaela Binder hat es geschafft, in ihrer Ausstellung ganz unterschiedliche Künstler zu versammeln, so dass der Besucher sich auf eine ungewöhnliche Vielfalt an Schmuckstücken freuen darf. Paarweise präsentiert die Designerin Anne Gericke ihre romantischen Ohrringe, die jedoch erst gemeinsam eine kleine Geschichte des Glückes erzählen. Ganz anders wirken die schweren, fast schwarzen Eisenringe von Aliki Apoussidou. Die Schmuckdesignerin hat durch hohen Druck und Hitze einen statischen, geometrischen Grundkörper in eine Form voller Energie verwandelt. Um Transformation geht es auch Kay-Eppi Nölke. Der Schmuckdesigner fertigt aus Grashalmen Ringe: "Ich könnte mir vorstellen, dass Gras in Galerien wächst. Die Menschen könnten sich dort ihren Ring selber wickeln." Michaela Binder wird diesem Wunsch nachkommen und lässt tatsächlich während der Ausstellung Gras in ihrer Werkstatt spriessen. Die Grasringe können dann in Gold, Silber und andere Metalle gegossen werden; ein Prozess, bei dem das Gras übrigens verbrennt, während der Ring aus Edelmetall entsteht. Martina Dempf geht es bei ihren Schmuckstücken ebenfalls um Metamorphose, sie hat Kettenanhänger entworfen, die Seidenraupenkokons mit Bergkristallen verbinden. Eine ganz außergewöhnliche Paarung. Edith Bellod wiederum stellt Porzellanschmuck her. In der Ausstellung wird sie diesen zusammen mit den für die Herstellung benötigten Werkzeugen präsentieren. Ohne die Werkzeuge, gäbe es ihre schönen Ketten nicht. "Indem ich es aus seinem Schattendasein befreie, würdige ich es", sagt Bellod. Das Werkzeug ergänzt den Schmuck und hilft, ihn zu verstehen. Es sind zwei Dinge, die zusammen gehören.


Martina Dempf

 

 

Aus Eins mach Zwei, aus Zwei mach Eins

Viele der 20 Designer hatten natürlich auch wirkliche Paare im Kopf. Wer einen anderen Menschen liebt und diesem einen Ehe-, Liebes- oder Freundschaftsring überstreifen möchte, der findet in der Ausstellung "Paarweise" ganz besondere Exemplare. Nicole Walger bietet beispielsweise 100 Gramm Gold, aus dem man für "gute Zeiten" die Eheringe herausarbeiten lässt. Wie bei einem Plätzchenteig, aus dem man die Kekse herausgestochen hat, bleibt dann "für schlechte Zeiten" der ausgesägte Rest. Walger hat auch Trauringe aus einem Stück geschmiedet, die noch miteinander verbunden sind. Zum Überstreifen der Ringe gehört der Akt des Auseinanderbrechens. Die Bruchstelle bleibt damit erhalten und erinnert daran, dass man zusammengehört. Umgekehrt hat Patrick Malotki gedacht. Seine Ringe sind "füreinander bestimmt". Aus zwei Gleichen wird ein Paar. Erst beim Zusammenlegen kann man kleine Herzen erkennen oder Vertiefungen passen plötzlich in Erhebungen.


Patrick Malotki

Und nicht nur Ringe, auch Ketten können einander anziehen. Ulrike Poelk hat Ketten entwickelt, die mithilfe kleinster Magneten aneinander gekettet werden können. Von zweien getragen, bewegen die Ketten sich aufeinander zu und verschmelzen zu einem Paar.

Michaela Binder freut sich auf zahlreiche Besuche, ob allein, zu zweit oder paarweise. Übrigens wird die Ausstellungsmacherin dieses Mal keine eigenen Schmuckstücke präsentieren, sondern paarweise gestaltete Vasenobjekte.

 

Die Daten zur Ausstellung im Überblick:

Ausstellungseröffnung:
Freitag, den 7. Mai 2010 um 19 Uhr
Dauer der Ausstellung 7. Mai bis 3. Juli 2010

 

Mit Arbeiten von:

Aliki Apoussidou - geschmiedete Eisenringe
Edith Bellod - Porzellanschmuck
Michaela Binder - Vasenobjekte
Beate Brinkmann - aus zwei wird eins
Ilka Bruse - poetische Schmuckpaare
Martina Dempf - Kokonschmuck
Anne Gericke - Paarszenen
Hilde Janich - Pergament / Gold-Silber
Unk Kraus - Königsketten
Patrick Malotki - Ringe füreinander
Sandra-Marie Michaluk - einfach tierisch
Kazuko Nishibayashi - Ohrschmuck Origami
Kay-Eppi Nölke - Grasringe
Ulrike Ortwein - Edelsteinkugelpaare
Ulrike Poelk - anziehende Ketten
Karla Schabert - Häkelschmuck
Luise Schenderlein - Doppelkugelringe
Silke Spitzer - Eisenschmuck
Anna Sykora - Porzellangefäße
Nicole Walger - geschmiedete Doppelzylinderringe
Rainer Wiencke - Trauringe

 


Kazuko Nishibayashi


Anna Sykora


Hilde Janich


Luise Schenderlein


Sandra-Marie Michaluk

   

 


Anne Gericke


Aliki Apoussidou


Kay-Eppi Nölke


Edith Bellod


Nicole Walger


Nicole Walger


Patrick Malotki


Ulrike Poelk


Ilka Bruse


Karla Schabert


Ulrike Ortwein


Unk Kraus